Beitrag 8: Der Krieg in Hesekiel 38 + 39

Aktualisiert: 30. Aug.


Es gibt prophetisch beschriebene Kriege, die eher wenig bekannt sind, obwohl darüber schon viel geforscht und geschrieben wurde. Einer davon steht in Hes. 38 +39.

Dieser Krieg wird in Hes 38,8.16 zeitlich mit den Worten «zur letzten Zeit» eingeordnet. Wann und wo er auf einer zeitlichen Darstellung genau hingehört, wissen wir nicht. Aber er gehört offensichtlich in «die letzte Zeit». Diese zeitliche Unschärfe hat damit zu tun, dass uns die Bibel zwar eine gewisse Abfolge der Zeit skizziert, uns aber keinen genauen «Fahrplan» bietet.

Dieser Krieg steht unter der Führung eines Fürsten – genannt «Gog» (Hes 38,2.3). Er ist primär der Fürst der Völker von Magog, Rosch, Meschech und Tubal. Ebenfalls mit dabei sind die Perser, Kuschiter, Libyer und die Völker von Gomer und Togarma. Die führenden Völker dieser Konstellation wohnen von Israel aus gesehen «im äußersten Norden» (Hes 38,6.15 / Hes 39,2). Zudem werden sich «viele Völker» diesem Kriegszug anschließen (Hes 38,6.9.15.22 / Hes 39,4).

Nun müssen wir uns an eine Konstante in den biblisch-apokalyptischen Texten erinnern: Die Propheten der Bibel beschrieben zukünftige reale Ereignisse mit Fakten aus der ihnen damals bekannten Welt.

Auf Hes 38 +39 angewendet: Hesekiel beschrieb die Teilnehmer dieses zukünftigen Krieges, welcher sich «zur letzten Zeit» entladen wird, anhand der Völker, die damals – in der «alten Zeit» – in diesen Gebieten herrschten. Um herauszufinden, wo diese Völker wohnten, müssen wir uns gründlich bei den alten Geschichtsschreibern, Gelehrten und Theologen einlesen. Zum Beispiel bei Herodot von Halikarnass (490–420 v. Chr), Gaius Plinius (23–79 n. Chr), Flavius Josephus (37–100 n. Chr) und Sophronius Eusebius Hieronymus (347–420 n. Chr). Das Ergebnis dieser Nachforschung ergibt folgendes Bild: Der Fürst von Magog und Rosch bezeichnet das heute von Russland beanspruchte Gebiet. Einige der erwähnten Völker lebten in der heutigen Türkei, im heutigen Iran, in Libyen und dem Sudan. Zusammenfassend kann man aus heutiger Sicht sagen, dass es Staaten sind, die von einem mehr oder weniger ausgeprägten Islamismus oder von Autokraten, resp. Diktatoren beherrscht werden (siehe nebenstehendes Bild).

Ziel dieser Invasion: Israel (Hes 38,14.16.18.19 / Hes 39,7.11.12.22.23.25) – um die enormen Schätze Israels zu rauben (Hes 38,12.13). Heute sind das die wertvollen Mineralien, die sich im Toten Meer anbieten, sowie die großen Öl- und Gasvorkommen und das enorme technische Know-How.

Dass diese Invasion unter der Führung der Herrscher aus dem Norden auf das das heutige Israel abzielt (folglich nach der jüngsten Staatsgründung im Mai 1948), vermitteln die folgenden Überlegungen:

  1. Es gab in der ganzen Geschichte Israels bis heute noch keine Invasion gemäß dem Krieg in Hes 38 + 39. beschriebenen Konstellation. Somit ist diese Prophetie bis heute nicht erfüllt und wird sich demzufolge zukünftig ereignen. Wir sehen heute dessen Konturen = dessen Möglichkeiten. Hes 38 + 39 ist möglicher denn je! Ob bei der Erfüllung des Krieges von Hes 38 + 39 das Land, welches unter der heutigen russischen Führung ist, dann noch «Russland» heißen wird, müssen wir offenlassen. Aber leider ist die Weltgeschichte eine «Raubtiergeschichte», wie es Daniel (Dan 7 + 8) und Johannes in der Offenbarung (Offb 13) voraussagt. Und es bleibt eine «Räubergeschichte» bis zum bitteren Ende – bis Jesus Christus wiederkommt, und endlich dem ganzen Elend ein Ende setzen wird (Offb 19) (Lichter 2 / 77–94).

  2. Hesekiel prophezeit, dass die Invasion erst stattfinden wird, nachdem Israel wieder aus aller Welt gesammelt wurde = «aus vielen Völkern» und «aus den Heidenvölkern» (Hes 38,8.12.14.16 / Hes 39,27.28).

  3. Da sich Hes 36 + 37 offensichtlich buchstäblich erfüllt hat, wird sich auch Hes 38 + 39 real und buchstäblich erfüllen. Hes 36 + 37 sagt voraus, dass das Volk der Juden wieder ein reales, gemeinsames Volk in einem realen Staat «auf den Bergen Israels» werden wird. Und dass sie aus der ganzen Welt zurückkehren werden in dieses Israel. Bis heute kehrten rund 7 Mio Juden aus ca. 150 Länder zurück ins heutige Israel. Damit ist lange nicht alles gesagt, was wir in Hes 38 +39 über diese Invasion lesen. Ich muss mich aus Platzgründen sehr beschränken.

Nun aber einige wenige Gedanken auf die aktuelle Investition Russlands in die Ukraine angewendet: Was dort gegenwärtig geschieht ist NICHT die Invasion von Hes 38 + 39. Sie zeigt aber, was wir schon 1991 beim Zerfall der damaligen Sowjetunion sagten: Russland wird wieder erstarken. Und zwar in einer diktatorischen Form. Wir sagten, dass die Zeit kommen wird, in der Russland die Welt hoch gefährlich (Atommacht!), plündernd und raubend in Atem halten wird. Und genau solche Entwicklungen sehen wir heute. Anders gesagt: Der aktuelle Krieg im Osten ist NICHT der in Hes 38 + 39 prophezeit, aber zeigt dessen Möglichkeiten mehr denn je.