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Beitrag 33: «Zeichen der Zeit» – Fakt oder Fantasie?


Mit «Zeichen der Zeit» meint man, dass es in der Bibel Vorauszeichen gibt, die auf ein Ende der Zeit und auf das Wiederkommen von Jesus Christus hinweisen. Die einen sagen, dass die Bibel von solchen «Zeichen der Zeit» redet, andere sagen, dass das nur fromme Fantasie und Angstmacherei sei.


Angeregt durch Fragen eines Teilnehmers meines letzten Seminartages zur Offenbarung des Johannes gehe ich in diesem Blog-Beitrag näher auf diese Thematik ein. Dabei suchen wir wie immer die Antwort in der Bibel selbst.


In Matth 24,7.8 / Mark 13,8 / 1. Thess 5,3 lesen wir von Wehen. Diese Texte erklären, dass die Zeit in ihrem Verlauf Phänomene beinhaltet, die wie Wehen mal heftiger und häufiger auftreten, dann aber wieder abebben. Die Texte reden zugleich von einem «Anfang der Wehen» und deren Ende, sobald etwas geboren ist. Wir lernen daraus:

  • Die Zeit und ihre markanten Ereignisse verlaufen «wie Wehen». Wehen sind naturgemäss noch nicht die Geburt selbst, sondern die Vorzeichen einer Geburt.

  • Zudem sagen diese Texte, dass es «Anfänge» von Wehen gibt. Damit wird angedeutet, dass weitere Wehen folgen werden. In der Regel sind die nachfolgenden Wehen – je näher sie zeitlich an der Geburt sind – umso heftiger.

Wir können somit sagen, dass allein schon das Wortbild «Wehen» die Idee real existierender Vorzeichen (Wehen) innerhalb eines zeitlichen Verlaufs andeutet. Die Bibel kennt somit die Idee von «Zeichen der Zeit». Dabei ist zu beachten, dass sich die drei oben erwähnten Bibeltexte mit den Themen vom Ende der Zeit und des Wiederkommens von Jesus Christus beschäftigen und insofern mit den «Zeichen der Zeit», so wie wir diese in unserem Sprachgebrauch rund um «Endzeitfragen» verwenden.


Die «Endzeitrede» von Jesus (nachzulesen in Matth 24 / Mark 13 / Luk 21) hörten die Jünger, nachdem sie mit ihm zusammen Jerusalem verlassen hatten. Danach durchquerten sie das Kidrontal und beim Aufstieg auf den Ölberg kamen sie ins Gespräch. Dabei schockierte sie Jesus gemäss Matth 24,1.2 mit der Ankündigung, dass der Tempel, auf den sie vom Ölberg aus einen wunderbaren Blick hatten, zerstört werden wird. Die Jünger sind entsetzt! Das von Jesus Gehörte löst laut Matth 24,3 bei ihnen drei Fragen aus:

  • Wann wird das geschehen?

  • Welches wird das Zeichen deines Wiederkommens sein?

  • Was wird das Zeichen des Endes der Weltzeit sein?

In diesen drei Fragen verwenden die Jünger das Wort «Zeichen» (gr. semeion). Daraufhin ging Jesus ausführlich auf ihre Fragen nach solchen «Zeichen» ein und so entstand die sogenannte «Endzeitrede», welche aus meiner Sicht eine «Hoffnungsrede» ist. Zudem sagte Jesus mitten in seiner Antwort, dass dies und das geschehen wird, aber dass dies und das «noch nicht das Ende» ist, dass aber das «Ende kommen wird» (z.B. in Matth 24,6).

Wir lernen: Es gibt Zeichen und damit «Vorzeichen» auf etwas Grösseres oder Umfassenderes hin. Diese Zeichen sind noch nicht das Finale, sondern «Zeichen zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt», welche auf das Finale hinweisen. (Mehr zur «Endzeitrede» von Jesus siehe ab Blogbeitrag 16).


Die «Endzeitrede» von Jesus beinhaltet in ihren abschliessenden Ermahnungen zudem den Hinweis, dass wir von der Natur lernen sollen: «Und Jesus sagte ihnen ein Gleichnis: ‹Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: Wenn sie jetzt ausschlagen, und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass der Sommer schon nahe ist. So auch ihr: Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist›» (Luk 21,29–31). Mit dem anbrechenden Reich Gottes ist hier die sichtbare Wiederkunft von Jesus Christus und das anschliessend durch Jesus lancierte Tausendjahr-Reiche gemeint.

Wir lernen: So wie es in der Natur Anzeichen gibt – nämlich das «Ausschlagen» der Triebe – so gibt es in der Entwicklung der Zeit gewisse Anzeichen und Ereignisse, die wie Vorzeichen auf noch Grösseres hinweisen. Folgedessen gibt es «Zeichen der Zeit», und Jesus fordert in diesem Text geradezu auf, diese «anzusehen» = sie zu beobachten, auf sie zu achten. Ich zitiere noch den Paralleltext zur «Endzeitrede» von Jesus in Matth 24,32.33: «An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis: Wenn seine Zweige jetzt saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Ebenso auch: Wenn ihr das alles seht, so wisst, dass er nahe vor der Tür ist.»


Die Formulierung «Zeichen der Zeit» greift Jesus zudem wörtlich im Gespräch mit den Pharisäern und Sadduzäer auf: «Über das Aussehen des Himmels wisst ihr zu urteilen, über die Zeichen der Zeit aber könnt ihr nicht urteilen» (Matth 16,2–3).


Als letzten Hinweis noch Luk 21,28: «Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht». Den Hinweis, die Anfänge gewisser Entwicklungen zu beobachten, und dabei nach oben – auf Jesus Christus zu blicken («erhebt eure Häupter») –, folgt auf eine längere Liste von «Zeichen der Zeit» (Luk 21,5–27).

Wir lernen: Auch in diesem Text ermutigt uns Jesus, Entwicklungen im kleinen und grossen Weltgeschehen im Auge zu behalten – schon deren Anfänge –, denn deren Verdichtung und zunehmende Häufigkeit sind Vorzeichen auf das Gewaltige vor uns: das Ende unserer Zeit, die Wiederkunft von Jesus Christus und dem Neuanfang danach.


Ich fasse zusammen: mit dem Wortbild «Wehen», dem Hinweis auf das «Frühlingserwachen» in der Natur, dem «Aufsehen» nach vorangegangenen Zeichen und der direkten Formulierung «Zeichen der Zeit» werden wir geradezu ermahnt, solche Zeichen, solche Vorzeichen und Vorboten im Auge zu behalten. Nicht um uns damit Furcht einzujagen, sondern weil «die Erlösung» naht. Die «Zeichen der Zeit» sollen für uns Orientierung, Ansporn und Ermutigung sein. Alle diese Bilder und Gedanken fasse ich in meinen Vorträgen und Power-Points mit dem Bild eines Schattenwurfs zusammen: Alle «Zeichen der Zeit» sind Vorzeichen, sind Vorboten, sind Schatten von noch Grösserem. Diese Zeichen kann ich mehr oder weniger feststellen, sie als Signale dessen, was noch kommen wird, einordnen, mich besser orientieren, mich auf das Eigentliche freuen, was sie vorankündigen. Wobei jede Interpretation dieser «Zeichen der Zeit» eher subjektiv bleibt. Vieles werden wir erst im Nachhinein definitiv einordnen können. Trotzdem: Wir können heute mehr denn je biblische «Zeichen der Zeit» auf das total Neue vor uns feststellen – so heftig wie noch nie: in ihrer Globalität, Vernetzung, gegenseitigen Abhängigkeit, Vielfalt, Dichte und in ihren «Kipppunkten» (Point of no return).

Zum folgenden Bild: Die nach links verlängerten und rot umrahmten Dreiecke markieren in meinen Power-Points solche Schattenwürfe (solche «Zeichen der Zeit») bis in unsere Zeit hinein.


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